Kanada, der Osten

Neufundland  9. September – 29. September 2019

Drei Wochen haben wir die Insel von Ost nach West und Süden nach Norden durchstreift. Unser Ausgangspunkt war St. John’s, von wo aus wir 5 Tage die Ostküste erkundeten. Wir besuchten den historischen Nationalpark Signal Hill mit dem Cabot Tower. Auf dem East Coast Trail wanderten wir von Cape Spear nach North Head und haben den spektakulären Spout Path gemacht, in dessen Mitte einen wellengetriebener Geysir zu bestaunen ist. Das dies möglich war haben wir vor allem unseren tollen Gastgebern Jackie und David zu verdanken, der es uns ermöglichte unser Auto am Endpunkt zu parken und uns dann dann mit seinem 4×4 zum Ausgangspunkt gebracht hat.

Weiter ging es auf der Halbinsel Avalon nach Süden, zunächst nach Trepassey, wo wir in einem ehemaligen Convent übernachteten. Unterwegs gab es am Ferryland Lighthouse ein stilvolles Picknick. Am nächsten Tag nahmen wir an einer geführte Tour zum Mistaken Point teil. Dort kann man 560 Millionen Jahre alte Fossilien bewundern. Nächstes Ziel war Cape St. Mary’s Ecological Resort, wo man Tausende von Basstölpeln auf den Felsen der Küste bewundern kann. Trotz Nebel war es sehr beeindruckend.

An unserem nächsten Ziel Bonavista weiter im Norden konnte man im alten Leuchtturm das Leben einer Leuchtturmwärtefamile in früheren Zeiten anschauen. 
Dort erlebten wir an einem Traumtag, was raue See wirklich bedeutet. Ein Hurrikan war tags zuvor an der Küste vorbei gezogen und verursachte meterhohe Wellen, die sich an den schroffen Felsen brachen. Der Klondike Trail wurde zum einmaligen Erlebnis.
Bevor es nach Grand Falls-Windsor weiter ging, haben wir am nächsten Tag noch den Skerwink Trail bei Trinity gemacht. Der Ozean hatte sich wieder beruhigt.

Nächstes Ziel war der Gros Morne National Park. Unsere erste Wanderung führte durch die Tablelands. Der hohe Magnesiumgehalt des Gesteins aus dem Erdinnern bewirkt, dass hier praktisch keine Vegetation gedeihen kann, eine Mondlandschaft. Dort, wo doch etwas wächst findet man fleischfressende Pflanzen.
Nach einer Nacht im Zelt haben wir dann den Mount Gros Morne, den höchsten Berg Neufundlands bestiegen. 

Ein langer Reisetag im Regen führte uns dann ganz in den Norden nach Spillars Cove. Wir besuchten L’Anse aux Meadows Historical Site, die Reste einer alten Wikingersiedlung, der ersten bekannten europäischen Niederlassung auf dem amerikanischen Kontinent. Zum ersten Mal waren wir nicht allein unterwegs, ein Kreuzfahrtschiff hatte vor der Küste angelegt und spuckte Boote mit reichlich Touristen aus.
Bevor es wieder Richtung Süden ging, haben wir noch dem nördlichsten Leuchtturm am Cape Norman einen Besuch abgestattet, dann ging es wieder Richtung Gros Morne. 

Das Wetter meinte es wieder gut mit uns und wir konnten die Bootstour auf dem Western Brook Pond machen, einem fjordartigen 16 km langen See, vorbei an zahlreichen Wasserfällen, die sich aus den teils über 600m hohen Felsen stürzen. Ganz in der Ferne trottete ein Schwarzbär durch die Büsche.
Eine lange Fahrt brachte uns am nächsten Tag nach Port aux Basques. Wir machten noch ein paar kurze Trails an der Küste, bevor die Fähre uns nach Nova Scotia brachte.


Wir erlebten in den drei Wochen eine wilde, einsame Natur mit einer rauen Felsenküste, undurchdringlichen Wäldern und erstaunlicher Geologie und Flora. Unterwegs besuchten wir viele Leuchttürme, die nur noch teilweise aktiv waren. Besonders beeindruckt hat uns die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen, auch wenn der neufundländische Dialekt die Verständigung manchmal  erschwerte. Es war ein sehr entspanntes, erlebnisreiches Reisen.

Nova Scotia 30. September- 22. Oktober 2019

Von Sidney aus starteten wir Richtung Cape Breton. Eine ganze Woche verbrachten wir auf dem Cabot Trail mit Zwischenstationen in Ingonish, Dingwall und Cheticamp. Wir machten zahlreiche Wanderungen innerhalb und außerhalb des Nationalparks, die außerhalb waren spannender und interessanter. Die Wälder zeigten deutliche Spuren des Hurrikans Dorian, viele Blätter waren „windburnt“, also durch anhaltenden Wind vertrocknet und grau. 
In einem kleinen Lokal an der Küste haben wir dann leckeren „Lobster“ gegessen, Die Lobstersaison war eigentlich schon vorbei. 
Natürlich waren wir auf dem „Wilkie Sugar Loaf“ über einen wilden Aufstieg, an dem Hunderte von Pilzen standen, und einem tollen Ausblick am Ziel.


Als nächstes machten wir einen Abstecher zur Prince-Edward-Island, um über die Confederation Bridge zu fahren, die auf mehr als 12km den Atlantik überbrückt. Die Insel konnte uns nicht begeistern und wir fuhren schon am nächsten Tag zurück über die Brücke zu den Hopewell Felsen und der Bay of Fundy. Der Tiedenhub beträgt dort bis zu 13m und bei Ebbe kann man über den Meeresgrund laufen.
Dann war es endlich so weit. Nach den ersten Frostnächten leuchteten die Wälder in allen Farben. Der Indian Summer erreichte seinen Höhepunkt. Auf dem Gloosecaptrail fuhren wir durch Cumberland zur Hauptinsel. Die leuchtend roten Blaubeerhänge zwischen den bunten Wäldern leuchteten in der Sonne.

In Annapolis Royal kommen wir in einem Cottage direkt im Zentrum unter. Samstags war vor der Haustüre „Farmers Market“, auf dem wir uns mit Lammfleisch, Gemüse und akzeptablen Brot versorgten.
 Ein Abstecher führte uns in den Kejimkujik Nationalpark, der nach Dorian wochenlang geschlossen war und nun noch einmal für kurze Zeit teilweise geöffnet wurde. Hier war der Indian Summer besonders schön.
Weiter ging es über das Digby Neck zum westlichsten Punkt Nova Scotias, nach Brier Island. Um die Insel zu erreichen mussten wir mit zwei kleinen Fähren fahren, die man nur auf dem Hinweg bezahlt. Zwei Tage blieben wir auf der Brier Island Lodge und waren die letzten Gäste für diese Saison. Der Koch hat sich noch mal richtig ins Zeug gelegt und für uns wurden es zwei Schlemmertage. 
Die Wanderung rund um die Insel hatte viel zu bieten. Kleine fleischfressende Pflanzen und Orchideen, Seehunde und Geier und viele andere Vögel, zwei Leuchttürme und eine weite Landschaft, die eine große Ruhe ausstrahlte.

Zurück zur Hauptinsel ging es auf den Lighthouse Trail. Unzählige Leuchttürme besuchten wir in den nächsten zwei Tagen entlang der Küstenstraße bis zu unserem Quartier bei Lunenburg. Ein netter Ort mit pittoresken Häusern einer schönen Kirche und einem lohnenswerten Fischereimuseum. Nach einigen weiteren kleinen Wanderungen steuerten wir unser letztes Ziel Halifax an. 
Obwohl wir sehr früh zu Nova Scotias berühmtesten Leuchtturm in Peggys Cove aufgebrochen waren, waren wir nicht die ersten. Unvorstellbar, wie voll es hier zur Hauptsaison werden kann. Bei der anschließenden Küstenwanderung waren wir wieder fast alleine.
Einen ganzen Tag besuchten wir die Highlights Halifax: das Fort, die Zentralbibliothek, das Immigrationsmuseum und die Uferpromenade. Die Saison war endgültig vorbei, der Farmers Market war verwaist, die Ausflugsboote lagen vor Anker und wir waren bereit für den Heimflug.



Ein Gedanke zu „Kanada, der Osten

  1. Tolle Gegend, tolle Fotos. Ich vermisse die dicken Bären und Elche.
    Zu Weihnachten schenke ich euch ein qicklebendiges Waschbären-Pärchen als Ersatz.
    Friedhelm aus Kinzweiler

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